31. März 2025 Whaaales!

30.03.25, 19:24
Koordinaten: 38°36.146‘ N   030°05.923‘ W
Zurückgelegte Seemeilen: 11.926 NM
Wetter: hervorragend, aber Flaute      Wind: -2 kts (Fahrtwind gegenan)
Momentane Geschwindigkeit: 5.0 kts
Kurs: Osten
Ziel: Acores, Horta
Stimmung: „saugeil“ (Zitat Sammy), „wenn ich die Buckelwale auch gesehen hätte, dann grandios“ (Zitat Gigi)

---
 
Vorbemerkung:
Wir sind wieder in Europa! Lange ersehnt und endlich da, die Azoren. Nach einem sehr ruhigen Crossing, oder wie unsere 1. Maat Anousch sagte, a smooth second crossing like this is very unusual!, werden wir heute gegen 11:00 Uhr im Hafen einlaufen. Ich habe gehört es gibt dort so guten Kaffee, dass sich sogar all unsere Ostfriesenteefreund:innen darauf freuen.
(Felix)

Laura am Helm vor den Azoren

Laura am Helm vor den Azoren © Felix

---

„Whaaales!“

Damit wurden wir vor ein paar Wochen, noch kurz vor Bermuda, vom Frühstückstisch aufgescheucht. Die Studentmess war so ruhig wie an jedem Morgen auf See, nur vereinzelt saßen ein paar verschlafene Schüler:innen an den Tischen, als Anousch (1st Officer) plötzlich aus der Crewmess gerufen hat. Innerhalb von zwei Sekunden war die Studentmess wie leer gefegt.
 
Wir sind alle nach oben auf die Bridge gerannt und nach kurzem Suchen haben wir sie gesehen; die Wale, mitten in einer Delfinschule (vermutlich Zügeldelfine). Es waren zwei Buckelwale, die nur ca. 30 Meter von uns entfernt an der Oberfläche aufgetaucht sind. Zuerst haben sie die ganze Zeit mit den Flippern (Brustflossen) auf die Wasseroberfläche geschlagen. Ein ziemlich absurdes Bild, diese riesigen Flossen aus dem Meer ragen zu sehen. Das ging eine Weile so, bis plötzlich einer der Wale aus dem Wasser gesprungen und mit einem riesigen Platschen wieder im Ozean gelandet ist. Das ist einer dieser Momente, in denen man den Atem anhält und das Herz plötzlich anfängt zu rasen.
 
Ich weiß nicht, wie sich so ein riesiges Tier überhaupt aus dem Ozean schleudern kann. Das macht physikalisch im Kopf irgendwie gar keinen Sinn. Genauso, wie wenn man eine Hummel betrachtet und sich fragt, warum sie überhaupt fliegen kann (irgendwie machen die Proportionen von Flügel und Körper nicht so richtig Sinn). Fest steht aber, dass dieser Augenblick tief im Gedächtnis verankert bleiben wird; wir Schüler:innen auf der Bridge an der Reeling, Bermudas Hügel im Hintergrund, eine Schule Delfine um uns herum und dann die Buckelwale, an denen wir langsam vorbeigefahren sind, bis man nur noch am Horizont den Blas gesehen hat.
 

Buckelwal und Delfin

Buckelwal und Delfin © Judith


Hier mal ein paar grundsätzliche Infos zu Buckelwalen
(aus den Büchern unserer Bordbibliothek):
 
Buckelwale (lat. Megaptera novaeangliae) sind weit verbreitet und fast überall auf der Welt zu finden. Es gibt verschiedene Populationen; die Atlantischen Buckelwale sind zum Beispiel durch die beidseitig weißen Flipper (Brustflossen) von den Pazifischen zu unterscheiden, welche eine dunkle Flipper-Oberseite haben. Sie gehören zu den Furchenwalen, da sie vom Unterkiefer sogenannte „Kehlfurchen“ haben. Diese können sich bei der Nahrungsaufnahme „auffalten“: sie öffnen das Maul, nehmen eine Menge Wasser mit z. B. Krill auf und filtern das Wasser durch die Barten (eine Art Filter-Vorhang statt Zähnen) wieder aus.
Auffällig sind auch die extreme Länge der Flipper und die Buckel, die vor allem am Kopf und an den Flippern verteilt sind und denen sie auch ihren Namen zu verdanken haben. An den Buckeln und den verschiedenen Farbmustern auf den Fluken kann man die Tiere auseinanderhalten und identifizieren, da diese so einzigartig sind wie ein Fingerabdruck. Genauso einzigartig ist ihr Gesang. Vor allem während der Brutsaison stoßen sie lange, komplexe Tonsequenzen aus, die unter Wasser über Meilen zu hören sind.

Atlantische Buckelwale verbringen den Sommer in Kaltgebieten um Grönland und Alaska, im Sommer ziehen sie in wärmere Gebiete, z. B. in die Karibik. Die beiden Tiere, die wir gesehen haben, waren vermutlich auf dem Weg nach Norden in die Kälte; Bermuda ist ein bekanntes Durchzugsgebiet der Buckelwale, genauso wie die Azoren.
Flipper- und Flukenschlagen ist nicht unverbreitet; auch für ihre Sprünge aus dem Wasser sind sie bekannt. Warum sie es tun, steht leider nicht in unseren Büchern; wenn ihr es also genauer wissen wollt, müsst ihr das leider selber googeln.
  
Buckelwale sind übrigens nicht die einzigen ziemlich coolen Meereslebewesen, die uns hier begegnet sind. Auf dem Nordatlantik haben wir schon einige Portugiesische Galeeren gesehen (googelt mal, die sind extrem giftig), unterschiedlichste Delfine, verschiedene Schildkröten, Unmengen fliegende Fische, Tintenfische (einer ist aus Versehen bei Rolling, also viel Welle, an Deck gelandet) und sogar Orcas (im Mondschein nur ein paar Meter neben uns). Aber das wäre noch mal einen anderer Blogbeitrag wert.
  
Autorin: Merle, Titus (taktischer Testleser)

Pädis erschöpft auf der Wache

Pädis erschöpft auf der Wache © Felix

Situationskomik im Alltag

Situationskomik im Alltag © Felix

---

Grüße:

  • Florian: Hi an meine Family jetzt habe ich die Woche Gally endlich fertig malocht.
  • Samuel: Alles gute zum Geburtstag Sara. Genauso wie deine Geschenke, nachträglich (Kennst mich doch :). Hab dich lieb und wir sehen uns ja schon bald zuhause und sehr bald bei der Telefonzeit wieder. Vermiss dich trotzdem. Bis bald.